Ungereimtheiten
Am Wörthersee in einem Wald
Ein Hause steht schon grau und alt
Dort leben Worte ohne Reim
Es ist für sie ein Findelheim
Verstoßen hierher ins Geheime
Sich niemand stört, dass keins sich reimt
Weil keiner merkt, dass es sie gibt
Es keiner hört, wenn eins mal weint
Sie mögen es an diesem Ort
Und dennoch wollen sie alle weg
Auf die Suche nach dem Gleichklang
In die Welt hinterm Versteck
Sie nennen sich: Die Ungereimten
Der Karpfen an der Orgel
Musik im flotten Takt
Den Pfirsich vor dem Kiosk
Die wilde Tanzwut packt
Der Fenchel findet Honig
Beim Stöpsel hinterm Ohr
Die Amsel schießt per Außenrist
Gegen den Mönch ein Tor
Daneben fragt sich das Gehölz
Was es dem Rüpel schenkt
Während wirklich jeder hier
An die kleine Heimat denkt
Denn wenn sie keinen Reim hat
Dachten alle im Geheimen
Wenn die Heimat keinen Reim hat
Warum lässt sie sich dann reimen?
Wenn die Heimat keinen Reim hat
Hat die Heimat einen Reim
Und mit einem Mal, da war sie fort
Hinfort aus ihren Reihen
Und wenn es doch schon ihr gelingt
Wenn sie sich reimen lässt
Warum nicht auch dem Echo
Und auch dem ganzen Rest?
Warum nicht auch den Menschen
Der Zwölf und den Gemälden
Und all den anderen Worten
Denen ihre Reime fehlen?
So hoffen alle Ungereimten
Jeden neuen Tag
Dass die Zauberkraft der Sprache
Heute für sie wirken mag
Wo die Heimat einen Reim fand
Sich das Schicksal für sie wendet
Auch ein Reim für sie ein Heim hat
Und so ihren Fluch beendet
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