Mauerblümchen
Obwohl du dich versteckst
Du Nachtschattengewächs
Habe ich aus Versehen
Dich eben doch gesehen
An der Friedhofsmauer
Wächst du in einem Riss
Und scheinst ganz gut zu wissen
Wie schön du dabei bist
Auf dem kalten Stein
Wo sonst nur Flechten wohnen
Sah ich dich voll Anmut
In deiner Nische thronen
Dort am Rand der Welt
Findest du noch Halt
Zwar lebst du ganz allein
Und die Füße werden kalt
Doch Unaufmerksamkeit
Das ist alles, was du willst
Bis unbemerkt du dann
Mit dem Hintergrund verschmilzt
Damit sie dich nicht finden
Hältst du dich bedeckt
Fern vom Rampenlicht
Wo niemand dich entdeckt
Sollen doch die Rosen
Die Tulpen und die Nelken
In ihrer Blüte sterben
Und auf fremden Gräbern welken
Du willst weiter leben
Und keinen anderen schmücken
Und wo dich keiner findet
Da kann dich keiner pflücken
Dann kann man dich nicht töten
Dann wirst du kein Objekt
Kein totes Accessoire
Das man in die Haare steckt
Dann darfst du weiter sein
Und bist noch nicht gewesen
Und ein neuer Tag kann kommen
Für ein schönes Lebewesen
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