Mammutaufgabe

Mammutaufgabe

Seit Tagen schon verfolgen wir
Dich wollbehaartes Göttertier
Du zotteliger, brauner
Herrscher pleistozäner Megafauna

Wir trennten dich von Deiner Herde
Nun irrst du allein umher
Wir ließen nicht mehr von dir ab
Du aßt und trankst und schliefst nicht mehr

Wir trafen erst mit einem Speer
Und bald traf dich ein Zweiter
Seit diesem Tage hetzten wir
Dich weiter immer weiter

Die Lungen am Pfeifen
Die Beine am Brennen
Die Füße, sie konnten
Kaum noch weiterrennen

Doch immer wieder konntest du
Dem letzten Schlag entkommen
Hast vier von uns im Kampf verletzt
Und einen uns genommen

Doch heute endet diese Hatz
Endet diese Götterjagd
Heute geht es um das Morgen
Heute ist ein letzter Tag

Geben und Nehmen
Nehmen und Geben
Wer gibt heute Tod
Und wer nimmt heute Leben?

Wir brauchen dein Fleisch
Dein Fell und die Zähne
Dein Fett und die Knochen
Dein Mark und die Sehnen

Die Hoffnung ist ein Rüsseltier
In diesem kargen Land
Und diese Hoffnung hat sich uns
Gerade zornig zugewandt

In Götteraugen funkelt sie
Die Lust daran zu leben
In Götteraugen sehen wir
Wie Wut und Furcht im Innern beben

Mein Gott, gib einfach auf!
Du blutest schwer aus unseren Schnitten
Mein Gott, gib einfach auf!
Du hast doch längst genug gelitten
Mein Gott, gib einfach auf!
Auch uns hast du genug geschunden
Mein Gott, gib einfach auf!
Wir alle tragen deine Wunden
Mein Gott, gib einfach auf!
Und fang jetzt endlich an zu enden
Mein Gott, gib einfach auf!
Anstatt dich uns zum Kampf zu wenden
Mein Gott! Gib einfach auf!

Doch Gott ist mein Gebet egal
Der Boden, er fängt an zu zittern
Als er aufs Neue Anlauf nimmt
Um unsere Knochen zu zersplittern

Nun stürmt die Hoffnung auf mich zu
Wutentbrannt und schwer verletzt
Ein Schicksal wird sich hier erfüllen
Unausweichlich, unaufhaltsam
Unvermeidlich: Jetzt!

Lieg ich hier im kalten Staub
Hoffnungslos und schwer verletzt
Und weiß am Ende was es heißt:
Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt

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