Unterm Radar
Auf einem Stützpunkt
Der sechsten Brigade
Lebt eine Spinne
Unterm Radar
Der Ort schützt sie gut
Vor stürmischem Wetter
Was jedoch kein Grund
Für die Spinne war
Sich herzubegeben
Und niederzulassen
Die funkelnde Lichtwelt
Der Stadt zu verlassen
Nein, hier ist es dunkel
Und sie ist allein
Und so kann die Spinne
Hier einfach nur sein
Genau wie sie ist
Und tun, was sie liebt
Auch dann, wenn sie hier
Kein Auge je sieht
„Du spinnst doch!“
Hatten die anderen gesagt
„Ein Netz webt man nur
Zur Insektenjagd!“
Zum Halten, zum Fangen
Aus Instinkt und Trieb
Nur das sei der Sinn
Vom seidenen Sieb
Sie hatten gespottet
Sie hatten gelacht
Und hatten sich über sie
Lustig gemacht
Und so ging sie fort
Hinaus aus der Stadt
Sie hatte den Kleingeist
Der Leute so satt
Denn das Netz, das sie webt
Ist keins, wie man’s kennt
Das Netz, das sie webt
Ist Musikinstrument
Eine Laute aus Silber
Eine Harfe aus Fäden
Die ihre acht Beine
Im Rhythmus bewegen
In Schwingung versetzen
Und Klänge erzeugen
Den Raum und die Zeit
So stauchen und beugen
Meisterhaft zupft sie
Ganz sachte darauf
Und der Zauber Musik
Nimmt sodann seinen Lauf
Geht unter die Haut
Und öffnet so Welten
In denen die Regeln
Und Grenzen nichts gelten
Virtuos spielt sie
Auf ihrem Netz
Bis Morgentau schließlich
Die Saiten benetzt
Sphärisch verklingt
Die Melodie
Und schon ist sie weg
Als gab es sie nie
So zupft jede Nacht
Eine Spinne ihr Lied
In militärischem
Absperrgebiet
Versteckt im Geheimen
Bleibt ungesehen
Nur in der Kunst
Wird das Traurige schön
So viele Träume
Es im Schatten gibt
So viel Erstaunliches
Nie jemand sieht
So viel Fantastisches
Bleibt unerhört
So viel Magie
Die nie jemand stört
So viel Geniales
Wird nie jemand kennen
So viele Feuer
Die einfach verbrennen
So viele Wunder
Nimmt nie jemand wahr
Denn sie alle geschehen
Unterm Radar
So viele Spinner
Nimmt nie jemand wahr
Doch sie alle geschehen
Unterm Radar
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