Der eingebildete Kranke
Im Voralpenidyll
Gleich hinter einem Wald
Lebt ein Mann in einer
Nervenheilanstalt
Hier soll es also heilen
Sein Nervensystem
Denn scheinbar gibt es damit
Wohl irgendein Problem
Er sei viel zu empfindlich
Hatten sie gesagt
Und ihn 30 Fragen lang
In einem Test befragt
Das Beste für ihn sei
So hieß die Diagnose
Er blieb erst einmal hier
Bei Landluft und Neurose
Es wäre sicher gut
Länger hier zu weilen
Um die scharfen Sinne
Stärker abzufeilen
Jetzt war er also hier
Jetzt war er also krank
Und in der Frühlingssonne
Saß er still auf einer Bank
Die Sonne gab sich Mühe
Und strahlte wie im Juli
Und in der Luft lag feiner Duft
Von erdigem Patchouli
Er kam von einer Frau
Die ebenfalls dort lebte
Und fasziniert betrachtete
Wie eine Spinne webte
Sie schenkte diesem Winzling
Ungeteilt Beachtung
Und war somit wohl auch ein Fall
Von geistiger Umnachtung
Ihre Augen leuchteten
Als sie den Mann erblickte
Sie sah nicht aus, als ob sie
Ihre Krankheit sehr bedrückte
Er hob kurz seinen Arm
Und winkte dann der Frau
Mit solchen Augen ist der Himmel
Auch im Grauen blau
Die warme Sonne kitzelte
Ganz sachte seine Nase
Und im Gebüsch da raschelte
Ein neugeborener Hase
Krokusse streckten die Köpfe
Aus der Erde raus
Gesund erschien ihm alles hier
In diesem Krankenhaus
Wenn Klingen nicht mehr schneiden
Dann wollen wir sie schärfen
Wenn Stifte nicht mehr schreiben
Dann wollen wir sie spitzen
Doch feine, scharfe Nerven
Setzt man auf eine Bank
Trennt sie von der Welt
Und nennt sie einfach krank
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