Orchideen
Was habe ich mir nicht alles
Auf die Bildung eingebildet
Was hat mein Intellekt
Nicht alles schon entdeckt
In meinem Turm aus Elfenbein
Wo ich die Orchideen züchte
Faszinierend, einzigartig
Ganz betörend im Geruch
Wunderlich in Form und Farbe
Wurde ihre Schönheit Sucht
Denn sie sind berauschend
Und sie machen wie betrunken
Und so ging ich in dem Garten
In Gedanken ganz versunken
Mit der Zeit und mit der Welt
Hatten sie hier oben
Ein feines, goldenes Netz
Um meine Wirklichkeit gewoben
Dachte nur noch, fühlte nicht
Dachte nur noch, spürte nicht
Dachte nur noch Orchideen
Dachte nur noch: Stört mich nicht!
Pflegte sie tagein tagaus
Hab sie vorsichtig gegossen
Doch alle gingen fruchtlos ein
Und neue Orchideen sprossen
Ich wanderte durch meinen Turm
Sah auch manchmal, dass ich blute
Doch fand ich nie den Weg hinaus
Weil ich nie nach einem suchte
Trüb wurden die Augen
Fad wurde das Essen
Und bedächtig ging die Welt
Mir mit der Zeit vergessen
Eingebildet ist die Zeit
Mir mit der Welt vergangen
Und rastlos blieb ich so
In dem hohen Haus gefangen
So ging ich am Ende
Bis über beide Ohren
Erst der Welt und dann mir selbst
In Gedanken ganz verloren
In Orchideen ganz verloren
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